ADAC Crashtests [UPDATE]

Seit mehr als 30 Jahren führt der ADAC regelmäßig Crashtests durch. Auf dieser Seite gibt Automotive-Technology einen aktuellen Überblick über die Crashtests des ADAC.

ADAC Crashtests

Aktuelle ADAC Crashtests

23. Mai 2017: Miniatur-Crashtest: ADAC crasht den Porsche 911 GT3 RS von Lego
Der ADAC hat jetzt einen etwas anderen, nicht ganz ernst gemeinten Crashtest durchgeführt: In Zusammenarbeit mit dem Technik-Magazin c´t crashte der Automobilclub einen Porsche 911 GT 3 RS. Allerdings keinen der weltweit auf nur 2.000 Einheiten limitierten echten Sportwagen, sondern den Neunelfer von Lego. Beim Versuchsaufbau gingen c’t-Redakteur Sven Hansen und seine Kollegen so gründlich vor wie bei allen Tests in der Redaktion. Das Auto wurde sorgfältig gebaut, ein passender Crash-Test-Dummy im 3D-Drucker erstellt und eine Mini-Dash-Cam für die Innenaufnahmen installiert. Mehr Infos.

24. November 2016: ADAC-Crashtest zeigt Defizite in der Fahrzeugkonstruktion
Der ADAC hat in seinem aktuellen Crashtest untersucht, welche Folgen unterschiedlich konstruierte Fahrzeugfronten auf das Verletzungsrisiko der Insassen haben. Ergebnis: Eine partnerfreundlich konstruierte Knautschzone schont nicht nur den Unfallgegner, sondern entlastet auch den eigenen Fahrer.

30. September 2016: Sicherheitsdefizite auf der Beifahrerseite
Wie ein aktueller Crashtest des ADAC ergeben hat, zeigen sich bei seitlichen Kollisionen Sicherheitsdefizite für die Insassen auf der gegenüberliegenden Seite des Aufpralls. Laut Automobilclub besteht bei solchen Zusammenstößen die Gefahr, dass der Fahrer beim Aufprall seitlich aus dem Gurt rutscht. Die aktuellen Airbags seien für diesen Belastungsfall nicht ausgelegt. Sie lösen zwar aus, bieten aber keinen Schutz. Die Folge sind erhebliche Verletzungen im Kopf,- Brust-, Hüft- und Beckenbereich durch Aufschlagen auf Armaturen, Türverkleidung und Sitzteilen – wegen geringer Innenraumbreiten vor allem ein Problem von Kleinwagen. Im schlimmsten Fall prallen Fahrer und Beifahrer sogar zusammen und verletzen sich gegenseitig. Mehr Infos.

26. Oktober 2015: Fußgängerschutz von SUV soll sich laut ADAC verbessert haben
Laut einer aktuellen Auswertung der ADAC-Unfallforschung sind SUV mittlerweile offenbar besser als ihr Ruf: Das Sicherheitsniveau von SUV und Geländewagen hat sich beim Fußgängerschutz an die Kompaktklasse angenähert, so das Fazit des Automobilclubs. Für seine Studie hatte der ADAC unter anderem die Ergebnisse der aktuellen Euro NCAP-Prüfverfahren ausgewertet. Mehr Infos.

ADAC Crashtest-Procedere

Unter Mitwirkung des ADAC, der europäischen Automobilclubverbände und einiger europäischer Regierungen sowie weiterer Verbraucherorganisationen haben sich in Europa seit 1998 unter dem Namen EuroNCAP (New Car Assessment Programme) einheitliche Crashtest-Verfahren durchgesetzt. Sie liefern detaillierte Informationen über den Insassenschutz beim Front- und Seitencrash sowie bei einem Pfahlaufprall.

Frontalcrash:
Beim Frontalcrash prallt das Testfahrzeug mit 64 km/h und 40% Überdeckung gegen eine feststehende deformierbare Barriere. Besetzt ist das Fahrzeug vorne mit zwei 50% Hybrid III Erwachsenendummies, an denen die biomechanischen Belastungen an Kopf, Hals, Brustkorb, Becken und Beinen gemessen werden, und hinten mit zwei Kinderdummies (gesichert in Kindersitzen), die je einem durchschnittlichen 1½ und 3 jährigem Kind entsprechen. Beim Frontalcrash können wie bisher max. 16 Punkte erreicht werden. Ab 2015 kommt noch ein Wandanprall mit voller Überdeckung bei 50 km/h und kleinen Erwachsenendummies (vorne und hinten) hinzu, um die Funktion der Rückhaltesysteme noch besser abzudecken. Es können dann max. 8 Punkte für 40 % Überdeckung und max. 8 Punkte für 100 % Überdeckung erreicht werden.  [Quelle: ADAC]

Seitencrash:
Beim Seitencrash prallt eine mobile deformierbare Barriere mit 50 km/h seitlich gegen das stehende Testfahrzeug. Dabei ist die Barrierenmitte auf den Fahrer gerichtet. Besetzt ist das Fahrzeug vorne auf dem Fahrerplatz mit einem 50% EuroSID-2 (ab 2015 WorldSID) Erwachsenendummy, an dem die Belastungen an Kopf, Brustkorb, im Bauchbereich und am Becken gemessen werden. Die Besetzung hinten ist gleich wie beim Frontcrash (40% Überdeckung). Ab 2015 wird das Gewicht der Stoßbarriere erhöht (1300 kg). Beim Seitencrash können max. 8 Punkte erreicht werden (bis 2009, u. Leichtmobile = 16 Punkte). [Quelle: ADAC]

Pfahlaufprallcrash:
Der Pfahlaufpralltest ist ein zusätzlicher Seitenaufprall, der bei Fahrzeugen mit seitlichem Kopfschutzsystem (z.B. Kopfairbag) durchgeführt wird. Vorbedingung ist jedoch, dass beim Seitencrash im Kopfbereich bereits volle Punktzahl erzielt wurde! Das Testfahrzeug wird bei diesem Zusatztest auf einem Schlitten mit 29 km/h seitlich gegen einen senkrechten Stahlpfahl mit einem Durchmesser von 254 mm geprallt. Der Stoß erfolgt im Kopfschwerpunkt eines 50%-EuroSID-2 Erwachsenendummy (ab 2015 WorldSID) auf dem Fahrersitz. Es werden hierbei die Belastungen an Kopf, Brustkorb, im Bauchbereich, im Brustbereich und am Becken gemessen und bewertet. Bis 2009 wurden nur die Kopfbelastungen berücksichtigt. Ab 2015 erfolgt ein Schräganstoß mit 32 km/h. Maximal können beim Pfahlaufpralltest 8 Punkte erreicht werden (bis 2009 nur 2 Punkte). [Quelle: ADAC]

Heckcrash:
Aufgrund der Tatsache, dass in Europa pro Jahr über eine Million Halswirbelsäulenschäden bei Pkw Unfällen zu verzeichnen sind, wurde ein spezieller Heckcrashtest entwickelt und seit 2009 in das Bewertungsschema mit aufgenommen. Beim Heckcrash wird eine Unfallsituation simuliert, die einem Heckaufprall auf ein stehendes Fahrzeug mit einer Geschwindigkeit zwischen 30 und 50 km/h entspricht. Hierzu werden die jeweiligen Vordersitze auf einem Schlitten mit Aufprallgeschwindigkeiten von 16 und 24 km/h getestet. Mit einem speziellen Heckcrashdummy (Bio Rid 2) werden insbesondere die Belastungen der Halswirbelsäule gemessen. Zusätzlich wird der Verstellbereich der Kopfstütze sowie die Stabilität des Sitzes beurteilt. Beim Heckcrash können max. 4 Punkte erreicht werden. Ab 2014 werden auch die Rücksitze und ein Notbremssystem für Stadtgeschwindigkeiten berücksichtigt, das Verletzungen an der Halswirbelsäule reduzieren kann. Frontsitze max. 2 Punkte, Rücksitze max. 1 Punkt und Notbremssystem max. 3 Punkte = max. 6 Punkte. [Quelle: ADAC]

Kindersicherheit:

Die seit Dezember 2003 hinzugekommene Bewertung Kindersicherheit umfasst eine Prüfung des Fahrzeugs bezüglich der Voraussetzungen für den problemlosen Einbau von Kindersitzen generell, sowie Frontal- und Seitencrashtests mit jeweils zwei vom Fahrzeughersteller empfohlenen Kindersitzen. Es werden Kinderdummies, die je einem durchschnittlichen 1 1/2 und 3 jährigem Kind entsprechen, eingesetzt. Seit 2013 werden neue Q-Dummies verwendet, die eine höhere Messgenauigkeit aufweisen. Ab 2016 wird ein 6- und 10jähriger Dummy eingesetzt.

Neben der Eignung der Sicherheitsgurte (Geometrie) zur Befestigung von verschiedenen Kindersitzsystemen wird auch das Deaktivierungssystem für den Beifahrerairbag und die entsprechenden Warnhinweise im Fahrzeug und am Kindersitz bewertet. Seit 2013 werden mit unterschiedlichen Kindersitzmodellen Einbauproben durchgeführt und Sitzplätze mit Isofix-Anbindung aufgeführt.

Die Bewertung der Kindersicherheit sagt aus, wie gut beim jeweiligen Automodell die Voraussetzungen gegeben sind, dass Kinder sicher transportiert werden können. Sie bezieht sich aber auch auf die jeweilige Kombination zwischen Kindersitz und Fahrzeug. Die verwendeten Kindersitze werden deshalb beim Test mit angegeben. Bei der Kindersicherheit können wie bisher maximal 49 Punkte erreicht werden.

Da beim Einsatz von anderen Kindersitzen durchaus abweichende Ergebnisse erzielt werden können, sollte immer geprüft werden, ob sich der jeweilige Kindersitz fest und standsicher im Auto einbauen lässt. [Quelle: ADAC]

Fußgängerschutz:
Der EuroNCAP-Crashtest beinhaltet neben den Tests zum Insassenschutz auch einen zusätzlichen Test zum Fußgängerschutz. Hierbei wird das Verletzungsrisiko bei einem Frontaufprall mit 40 km/h sowohl für Kinder als auch für Erwachsene bewertet. Stellvertretend für die Beine und Köpfe werden ummantelte Metallzylinder und unterschiedlich schwere Kugeln gegen definierte Punkte der Fahrzeugfront geschossen und die Belastungen der „Körperteile“ gemessen. Beim Fußgängerschutz können wie bisher maximal 36 Punkte erreicht werden. Ab 2016 gibt es zusätzlich 6 Punkte für ein Notbremssystem mit Fußgängererkennung, somit max 42 Punkte.  [Quelle: ADAC]

Aktive Sicherheit:
Die Unfallforschung weist aus, dass mit aktiven Sicherheitssystemen wie z. B. das Fahrstabilisierungssystem ESP Unfälle verhindert oder zumindest die Unfallfolgen gemindert werden können. Spezielle Warnsysteme, die aktiv (aufdringlich) die Insassen auffordern, die Gurte anzulegen, verhindern ebenfalls schwere Verletzungsfolgen. Aus diesem Grund wurde die aktive Sicherheit seit Februar 2009 bei dem Bewertungsschema mit aufgenommen. Es wurden folgende Punkte vergeben (ESP=3 Punkte; Gurtwarner auf allen Plätzen = max. 3 Punkte; Geschwindigkeitsbegrenzer = max. 3 Punkte). Die Anforderungen für ESP sind: Es muss das jeweilige Modell im europäischen Markt zu mindestens 85% serienmäßig mit ESP ausgestattet sein und das Basismodell muss ESP zumindest optional aufweisen. Ab 2014 werden zusätzlich für einen Spurverlassenswarner/-assistent 1 Punkt und für ein Notbremssystem für Geschwindigkeiten über 50 km/h max. 3 Punkte vergeben. Max. also 13 Punkte. Ab 2016 gibt es keine Punkte mehr für ESP (da Vorschrift) und ein Spurhalteassistent bekommt 3 Punkte = max. 12 Punkte. Außerdem werden die Anforderungen für die Ausrüstquoten mit Fahrerassistenzsysteme von 50 % auf 70 % erhöht. [Quelle: ADAC]

Video: So crasht der ADAC