V-Charge: automatisiertes Parken und Laden von E-Fahrzeugen

Forschungsprojekt von Bosch und Volkswagen soll die Parkraumnutzung effizienter gestalten

Volkswagen möchte mit dem EU-Forschungsprojekt V-Charge zeigen, wie schon bald das Parken und Laden von Elektrofahrzeugen in Parkhäusern effizienter gestaltet werden kann.

Valet-Parking ist ein Service, der vor allem in den USA aber auch in Luxushotels populär ist. Dabei fährt der Fahrer mit seinem Wagen zum Zielort vor, wo Servicemitarbeiter das Parken übernehmen, und das Auto bei Bedarf wieder vorfahren lassen. Der Nutzer erspart sich dabei die zeitraubende Parkplatzsuche.

DB2015AU01164_large

An dieser Idee orientiert sich V-Charge, bei der die Parkplatzsuche in einem Parkhaus voll automatisch abläuft. Der Nutzer kann sein Fahrzeug auf einer Übergabefläche vor dem Parkhaus abstellen und über sein Smartphone den Auftrag zum Parken geben. Das Fahrzeug sucht selbstständig nach einer freien Ladestation und wird dort mittels Induktion aufgeladen. Nach Abschluss des Ladevorgangs gibt das Fahrzeug automatisch den Ladeplatz für andere Fahrzeuge frei und sucht sich einen konventionellen Parkplatz. Benötigt der Fahrer wieder sein Auto, fordert er das Fahrzeug einfach über die App an und kann es an der Übergabefläche wieder in Empfang nehmen.

Durch die Nutzung vorhandener Technik sollen die Kosten gering gehalten halten und gezeigt werden wie fortgeschritten automatisiertes Fahren bereits jetzt ist. Zur autonomen Fortbewegung nutzt das Fahrzeug überwiegend Systeme, die bereits in heutigen Serienfahrzeugen u.a. in Form von Parksensoren und Spurhalteassistent zu finden sind. So erfassen insgesamt vier Weitwinkelkameras, zwei Stereokameras und zwölf Ultraschallsensoren die Umgebung des V-Charge-Versuchsträgers und erkennen dabei auch Hindernisse wie Personen oder andere Fahrzeuge. Damit sich das V-Charge-Fahrzeug auch ohne GPS-Empfang orientieren kann, kommt zusätzlich digitales Kartenmaterial des Parkhauses zum Einsatz. Für die Kommunikation zwischen Fahrzeug und Infrastruktur sorgt die sogenannte „Car2X“-Technologie.

 V-Charge Volkswagen forciert das automatisierte Parken und Aufladen von E-Fahrzeugen

Die intelligente Form des Valet-Parking eignet sich somit besonders bei Parkflächen mit langer Standzeit, wie zum Beispiel an Flughäfen. Neben der effizienteren Nutzung von teurer Ladeinfrastruktur zählt der geringere Platzbedarf zu den Vorteilen. Das System soll so präzise und platzsparend parken, dass sich die benötigte Parkfläche je Fahrzeug reduziert. Laut Volkswagen sollen die Anforderungen an die Parkhaus-Infrastruktur gering ausfallen.

Insgesamt beteiligen sich sechs internationale Partner an diesem Forschungsprojekt. Volkswagen als Konsortiumspartner liefert die Plattformausrüstung, Sicherheits- und Kontrollmodule sowie Systeme zur statischen Umgebungserfassung, Objekterkennung und für das automatisierte Parken. Der Automobilzulieferer Bosch bringt sich mit Erfahrungen aus dem Gebiet der Sensorik ein. Die ETH Zürich übernimmt die Zuständigkeiten in den beiden Bereichen „Autonomous Systems Lab“, für die visuelle Lokalisierung, Bewegungsplanung und Fahrzeugregelung sowie „Computer Vision and Geometry Lab“, zur Kamerakalibrierung, 3D Rekonstruktion aus Kamerabildern und Hinderniserkennung. Verantwortlich für „Vehicle-to-infrastructure“, also das Parkplatzmanagement und Kommunikation des Fahrzeugs mit der technischen Umgebung, ist die Technische Universität Braunschweig. Die Universität Parma befasst sich mit der Objekterkennung und die Universität Oxford mit der Erstellung detaillierter Navigationskarten der Parkflächen (semantic mapping concepts).

DB2015AU01162_large

Über Daniel Przygoda (20 Artikel)
Wirtschaftsingenieur (B.Sc.) und seit 2015 Redakteur bei Automotive-Technology.de und Automobil-Blog.de. Seit 2006 für Prof. Dr. Ferdinand Dudenhöffer tätig - erst im CAR-Institut (Center Automotive Research) der Universität Duisburg-Essen, nun bei D+S Automotive GmbH. Projektbeteiligungen u.a. am CAR-Symposium, CAR-connects, RUHRAUTOe, Automechanika Frankfurt, Ruhr-Symposium. Mitarbeit an verschiedenen Studien und Forschungsarbeiten in den Bereichen Automobilvertrieb und Elektromobilität. Von 2001 bis 2006 bei der Adam Opel AG am Produktionsstandort Bochum tätig. Während dieser Zeit Ausbildung zum Mechatroniker, danach Produktionsmitarbeiter in der Fahrzeugfertigung.

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.

*