Bosch zeigt auf der CES 2017 ein neues Concept Car

Bosch zeigt auf der Consumer Electronics Show CES 2017 eine Vielzahl an (teilweise bereits bekannten) Innovationen für das Connected Car der Zukunft – und ein neues Konzept-Fahrzeug.

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Wie das Autofahren der Zukunft aussieht? Das will Bosch auf der CES 2017 mit einem neuen Concept Car zeigen.

Die Vernetzung macht das Auto nach dem Zuhause und der Arbeit zur dritten Lebensumgebung. Mithilfe einer personalisierten Kommunikation zwischen Auto und Fahrer sollen sich die immer leistungsfähigeren und umfassenderen Services auch in Zukunft sicher bedienen lassen. Zudem könnte das automatisierte Fahren künftig immer häufiger Zeit für andere Tätigkeiten bieten. In seinem neuen Concept Car präsentiert Bosch unter anderem folgende Innovationen:

Gesichtserkennung und intelligente Personalisierung: Die Driver Monitor Camera ermöglicht eine schnelle Gesichtserkennung und Personalisierung, kaum dass der Fahrer eingestiegen ist. Sofort stellt das Auto beispielsweise Lenkrad, Spiegel, Innenraumtemperatur und Radiosender auf die individuellen Vorlieben ein. Während der Fahrt erhöht die Fahrerzustandserkennung zudem die Sicherheit: Droht der Fahrer einzuschlafen oder ist er stark abgelenkt, kann das Auto warnen und so kritische Situationen vermeiden.

Gestenbedienung mit Ultra Haptics: Das Konzeptfahrzeug zeigt außerdem erstmals eine Gestenbedienung mit haptischer Rückmeldung. Eine gemeinsam mit dem Start-up Ultra Haptics aus Bristol/Großbritannien entwickelte Technik nutzt Ultraschallsensoren, durch die der Fahrer einerseits spürt, ob seine Hand im richtigen Bereich ist, und andererseits eine Rückmeldung zur ausgeführten Geste erhält.

Haptisches Feedback mit neoSense: Durch den Touchscreen mit haptischem Feedback fühlen sich die dargestellten Tasten auf dem Touchscreen wie realistische Knöpfe an. Die Orientierung beim Bedienen von Infotainment-Anwendungen ist oft auch ohne hinzusehen möglich. Der Blick kann dadurch wesentlich häufiger auf der Straße verbleiben – die Sicherheit steigt. Diese Technologie wurde bereits Anfang 2016 mit einem CES Innovation Award ausgezeichnet und hat im vergangenen Jahr einen großen Schritt hin zur Serienreife gemacht.

Kristallklare Sicht mit OLED: Das Konzeptfahrzeug zeigt erstmals im Cockpit integrierte OLED-Displays (organische Leuchtdiode, organic light emitting diode), die eine kristallklare Anzeige ermöglichen.

Digitaler Außenspiegel jetzt auch im Pkw: Das Mirror Cam System ist eine kamerabasierte Lösung, die die beiden Außenspiegel ersetzt. Die Videosensoren lassen sich im Fahrzeuginterieur integrieren, die Anzeige erfolgt über Displays nahe der A-Säulen rechts und links. Die digitale Technik ermöglicht darüber hinaus eine situationsbezogene Darstellung. So geht bei Fahrten auf der Autobahn der Blick weiter nach hinten, während in der Stadt ein möglichst großer Blickwinkel mehr Sicherheit gibt. Ein erhöhter Kontrast verbessert die Sicht bei Nachtfahrten.

Kommunikation zwischen Auto und Fahrer: Das HMI (Human Machine Interface) spielt im Auto künftig eine immer größere Rolle – vor allem beim automatisierten Fahren. So meldet es dem Fahrer zum Beispiel, wenn automatisiertes Fahren auf einem Streckenabschnitt möglich ist. Zur Übergabe der Fahraufgabe ans Auto muss er dann gleichzeitig für mehrere Sekunden zwei Knöpfe am Lenkrad drücken. Während der automatisierten Fahrt bekommt der Fahrer über das HMI angezeigt, was die Umfeldsensoren des Autos alles erkennen und wie viel Zeit noch verbleibt, bis er das Steuer wieder übernehmen muss.

Kommunikation zwischen Auto und Haus: Während der automatisierten Fahrt stehen dem Fahrer über das zentrale Display im Fahrzeug mehr Infotainment-Funktionalitäten zur Verfügung, als wenn er selbst fährt. Dank Internetverbindung kann er jetzt zum Beispiel seine bevorstehenden Termine prüfen oder Einkäufe planen. Die Smart Home App ermöglicht es ihm auch, die Rollläden zuhause zu bedienen oder die Heizung von unterwegs hoch- oder herunterzudrehen. Zudem kann er einen Blick in seinen Kühlschrank werfen. Sind noch genug Vorräte vorhanden? Auf Tastendruck ist der Einkaufsvorschlag der App schnell beim Lieferservice bestellt.

Kommunikation zwischen Auto und Fahrrad: Dank Vehicle-to-Vehicle-Communication werden Autos in Zukunft über andere Verkehrsteilnehmer informiert, lange bevor sie in Sicht kommen. Besonders Fahrräder werden im Verkehr rasch übersehen, weil Lkws oder Busse sie verdecken. Auf der CES zeigt Bosch eine Kommunikationsverbindung zwischen seinem neuen Konzeptauto und einem Fahrrad. Darüber können beide Fahrzeuge permanent ihren Aufenthaltsort und ihre Fahrtrichtung austauschen. Dies senkt das Risiko einer Kollision.

Bosch Integrated Payment Solutions: Diese selbst entwickelte ePayment-Lösung bietet neuen Services, die über das IoT-Ecosystem angeboten werden, eine einheitliche Bezahlfunktion. Hierfür wurden bereits Rahmenverträge mit den erforderlichen Zahlungsdienstleistern geschlossen – zum Beispiel auch mit PayPal.

Kommunikation zwischen Auto und Werkstatt: Bosch zeigt auf der CES 2017 auch, wie die vernetzte Werkstatt, der „Connected Workshop“, im Zusammenspiel mit internetbasierten Dienstleistungen und Augmented-Reality-Anwendungen funktioniert. Autofahrer und Werkstattbetreiber können den Werkstattbesuch künftig leichter planen, und auch die Arbeitsabläufe im Service lassen sich verbessern.

Nachrüstbarer Notrufservice fürs Auto: Bosch zeigt zudem einen nachrüstbaren Adapter für den automatischen Notrufservice eCall, den Retrofit eCall. Einfach in den Zigarettenanzünder gestöpselt, vollbringt er wahre Meisterleistungen: Ein Beschleunigungssensor erkennt die Kollision und löst einen Notruf aus. Über eine Smartphone-App werden Daten wie die Position des Autos weitergeleitet. Auch die Schwere des Aufpralls wird analysiert, und es werden automatisch Aktionen gestartet: Bei einer mäßig schweren Kollision meldet sich die Leitstelle, um persönlich mit dem Fahrer zu besprechen, ob ein Service-Fahrzeug Hilfe leisten soll oder ein Krankenwagen nötig ist. Beantwortet der Fahrer den Anruf nicht, wird sofort ein Rettungswagen alarmiert.

Firmware updates „over the air“ (FOTA): Vernetzte Funktionen und insbesondere das hochautomatisierte Fahren erfordern eine dauerhaft sichere Funktion über das ganze Fahrzeugleben. Dies bedingt Softwareaktualisierungen, die über die Cloud aufgespielt werden können. Bosch bietet hierfür die nötigen Kommunikations-Steuergeräte und die zentralen Gateway-Rechner, ETAS und ESCRYPT (beide Teil der Bosch-Gruppe) liefern die erforderlichen Übertragungs- und Verschlüsselungstechnologien. Diese sorgen dafür, dass die Funktionen nach jedem Update weiter zuverlässig laufen (Functional Safety) und gegen Angriffe von außen geschützt sind (Data Security).

Ein weiteres Thema auf dem Bosch-Messestand in Las Vegas ist das sogenannte Community-based Parking: Mit Community-based Parking nimmt Bosch Autofahrern die Suche nach einer passenden Parklücke ab: Im Vorbeifahren erkennt und vermisst das Auto mithilfe von Ultraschallsensoren Lücken zwischen parkenden Fahrzeugen. Die erfassten Informationen werden in eine digitale Straßenkarte übertragen. Leistungsfähige Algorithmen von Bosch plausibilisieren die Daten und treffen eine Vorhersage zur Parkplatzsituation. Autos, die sich in der Nähe befinden, steht die digitale Karte in Echtzeit zur Verfügung. Damit können Fahrer Parklücken gezielt ansteuern. 2017 sind Pilotaktivitäten in den USA geplant. Mit Mercedes-Benz und anderen Automobilherstellern erprobt Bosch das Community-based Parking bereits in deutschen (und europäischen) Städten.

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