McKinsey: OEM dürfen Hoheit über Car-Connectivity nicht den Internet-Unternehmen überlassen

Neue Autos ohne Einbindung in die www-Dienste werden immer weniger gefragt sein. Denn das Internet und das vernetzte Auto setzen neue Maßstäbe. Die Markenbindung der Kunden lässt nach, Kosten-Strukturen verschieben sich und die „Car Connectivity“ verstärkt ihren Einfluss auf den Markt und die Marktanteile der Hersteller. Nach einer aktuellen Studie von McKinsey kann das Internet mit seinen Angeboten für die Autokäufer eine neue Ordnung in der globalen Autoindustrie hervor bringen und gleichzeitig werden sich das Marktvolumen für Connectivity Dienste verfünffachen und das Servicegeschäft stark verändern.

Für viele Autofahrer bereits eine Selbstverständlichkeit - das Nutzen von Internet-Funktionen im Pkw. Bild: Renault

Für viele Autofahrer bereits eine Selbstverständlichkeit – das Nutzen von Internet-Funktionen im Pkw. Bild: Renault

Das zentrale Thema der McKinsey-Untersuchung ist die Veränderung der Marktgewichte durch die zunehmende Vernetzung der Fahrzeuge. Dadurch droht ohne eine entsprechende Reaktion der Autokonzerne eine fundamentale Neuordnung des weltweiten Automobilmarkts. Denn schon heute wollen 13 Prozent der Käufer nur noch Fahrzeuge erwerben, die einen Internetzugang ermöglichen. Ein Auto ohne Vernetzung kommt für diese Kundengruppe nicht mehr in Frage.

Gleichzeitig bietet das Internet nicht nur Risiken, sondern auch Chancen. Denn laut McKinsey wird sich der weltweite Markt für Connectivity-Komponenten und Dienste bis zum Jahr 2020 fast versechsfachen, von heute 30 Milliarden Euro auf dann 170 Milliarden Euro. Und beim Autokauf werden neue Einflussgrößen wie Echtzeit-Informationen, Musik-Streaming, dynamische Stauprognosen und die Einbindung in soziale Netzwerke eine immer wichtigere Rolle spielen. Dabei belegt ein Ergebnis der Umfrage am besten den möglichen Wandel: Bereits jetzt würden zwanzig Prozent der Kunden die Automarke wechseln, wenn sie dadurch in den Genuss besserer Connectivity-Angebote kämen. Bei Vielfahrern, die mehr als zwanzig Stunden pro Woche im Auto verbringen, beträgt der Anteil der Wechselwilligen sogar 40 Prozent.

Für die Autohersteller wird es laut McKinsey entscheidend sein, den Wettbewerb bei der Integration der Vernetzungsdienste zu beherrschen, die Datensicherheit im Auto zu gewährleisten und die Leitfunktionen auf dem Weg zum autonomen Fahrzeug nicht abzugeben. Dabei wird es einen Kampf um die Führungsrolle im Auto geben. Für die Autohersteller kommt es darauf an, die Hoheit über die digitale Kommunikation im Auto nicht den Internet-Unternehmen zu überlassen.

Text: mid

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