Satellitengestütztes System soll frühzeitig vor Geisterfahrern warnen

Tests bis Ende des Jahres

Bereits seit einigen Jahren arbeitet ein Team der Universität der Bundeswehr an einem Forschungsprojekt, das Geisterfahrer satellitengestützt identifizieren soll, um andere Autofahrer zu warnen. Bis Ende des Jahres soll das System getestet werden.

Prof. Eissfeller. Bild: Universität der Bundeswehr München

Prof. Eissfeller. Bild: Universität der Bundeswehr München

Falschfahrer verursachen immer wieder schwere Unfälle. Der ADAC zählte im vergangenen Jahr 2.200 Warnmeldungen im Verkehrsfunk. Prof. Bernd Eissfeller von der Universität der Bundeswehr München hat einen neuen Algorithmus entwickelt, der Geisterfahrer über Galileo-Signale aufspürt, um andere Autofahrer rechtzeitig vor ihnen zu warnen.

In der im April 2017 veröffentlichten Statistik des ADAC häuften sich die Warnungen vor Geisterfahrern vor allem in Nordrhein-Westfalen, Bayern und Niedersachsen. Insbesondere an Wochenenden und im Sommer waren Falschfahrer auf der Autobahn unterwegs. Mit einem Geisterfahrerwarnsystem wollen das Institut für Raumfahrttechnik und Weltraumnutzung der Universität der Bundeswehr München und das Institut für Ingenieurgeodäsie der Universität Stuttgart Fahrer mit Hilfe von Signalen des europäischen Satellitennavigationssystems Galileo – ein Pendant zum amerikanischen GPS – wieder auf die richtige Spur bringen und Verkehrsteilnehmer schützen. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler entwickeln im Projekt „Ghosthunter“ noch bis Ende des Jahres praxisnah eine Testversion. Das Projekt beruht auf einer Initiative des Raumfahrtmanagements des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt und wird mit Mitteln des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie gefördert.

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Anwendung auf der Erde

Fahrzeuge könnten Galileo-Signale im Zusammenspiel mit anderen Sensordaten zum Beispiel künftig nutzen, um sich selbst im Straßenverkehr zu orten und zu navigieren. Im Vorhaben „Ghosthunter“ will Prof. Eissfeller Geisterfahrern eine möglichst genaue Position auf einer digitalen Karte zuweisen: „Hier geht es um Dezimeter. Wir wollen nicht, dass aufgrund von Ortungsfehlern ständig Falschmeldungen im Radio laufen“, sagt der Experte für Satellitennavigation. Ein auffälliger Warnhinweis im Fahrzeug könnte Autofahrer, die nur versehentlich auf die falsche Spur abbiegen, rasch auf ihren Fehler aufmerksam machen – bevor ihnen andere entgegen kommen. Auch diese sollen über den Galileo-Empfänger im Auto gewarnt werden.

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„Um möglichst Viele zu erreichen, würden wir auch einen sogenannten eCall absetzen“, erklärt Eissfeller. Über eCall sendet das Fahrzeug per Satellit selbst-ständig einen Notruf mit den genauen Koordinaten an eine Leitzentrale. „So kann die Leitstelle betroffene Autofahrer über den Verkehrsfunk rechtzeitig informieren und Unfälle mit Geisterfahrern vielleicht sogar verhindern“, so der Professor für Navigation. Ecall wird ab April 2018 in allen Neuwagen Pflicht.

Von Anfang an dabei

Als Berater des Bundesverkehrsministeriums entwickelte Prof. Eissfeller Galileo bereits in den frühen 2000er Jahren das Projekt mit. Heute optimiert er das bestehende System und forscht an der zweiten Generation. Seit Dezember 2016 stehen mit 18 Satelliten auf etwa 23.000 km Höhe Behörden, Firmen, Rettungskräften, aber auch Bürgerinnen und Bürgern mit Galileo-Empfangsgerät wie neueren Smartphones erste Dienste zur Verfügung. Momentan wird Galileo noch mit GPS-Signalen kombiniert, da es erst mit einer Erweiterung auf mindestens 26 Satelliten in den nächsten drei Jahren überall uneingeschränkt verfügbar sein wird. Galileo weist bereits jetzt Positionen metergenau zu und liegt damit über dem GPS-Standard.

[Quelle: Universität der Bundeswehr München]

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