Die Technik des Audi RS5 DTM 2013

Das technische Reglement der DTM lässt Weiterentwicklungen der Rennwagen nur in einem sehr engen Rahmen zu. Zahlreiche Einheitsteile sollen die Kosten drücken und Chancengleichheit – und somit spannenden Sport – gewährleisten. Dazu gehören etwa das CFK-Monocoque, Hankook-Reifen in zwei Mischungen, die Einheitsbremsanlage von AP oder das einheitliche Motormanagement von Bosch.

Audi RS5 DTM 2013 Schaeffler

Das Phoenix-Team mit seinem Fahrer Mike Rockenfeller wird erneut von Schaeffler unterstützt

Während man bei Audi offenbar nach wie vor von der Wettbewerbsfähigkeit des RS5 überzeugt ist, galten bei der Entwicklung des neuen Rennsportgeräts für die Saison 2013 (Projektname „R17“) nach offiziellen Angaben drei Prämissen: die bestmögliche Sicherheit der Fahrzeuge, eine Kostenreduktion um bis zu 40 Prozent und vor allem ein spektakulärer Auftritt. Neu ist übrigens die Typenbezeichnung Audi RS5 DTM. Damit stellt Audi in der DTM erstmals den direkten Link zu den RS-Modellen des Unternehmens her.

DTM-Einheitsteile-Strategie senkt Kosten um bis zu 40 Prozent

Der Audi RS5 DTM wirkt flacher und breiter als der A4 DTM, mit dem Audi von 2004 bis 2011 fünf DTM-Titel gewann. Unter der komplett aus Karbon gefertigten Karosserie befindet sich ein Chassis in Hybrid-Bauweise. Zudem ist das nur knapp 160 Kilogramm schwere Chassis eines von rund 50 Bauteilen, die bei allen DTM-Fahrzeugen identisch sind. Durch den Einsatz der Gleichteile war es möglich, eine Kostenreduktion von bis zu 40 Prozent bei weiter gesteigerter Sicherheit und Attraktivität der DTM-Fahrzeuge zu erreichen.

Audi RS5 DTM 2013

Der Audi RS5 DTM für die Saison 2013

In die Sicherheitszelle des Audi RS5 DTM integriert ist ein 120 Liter großer Sicherheitstank, mit dem die Distanz eines DTM-Rennens ohne Tankstopp absolviert werden kann. „Mit der Zelle wurden insgesamt neue Maßstäbe gesetzt“, urteilt Stefan Aicher, Leiter Konstruktion Fahrzeug bei Audi Sport. „Das Monocoque wiegt nur 126 Kilogramm, der Überrollkäfig 32,5 Kilo. Dabei sind die Sicherheitsstandards drastisch gestiegen. Nicht nur bei Längscrashs, sondern gerade auch beim Seitenaufprall ist die Konstruktion extrem stabil. Die gesamte Seitenwand muss beim Seiten-Aufpralltest einer Kraft von 360 kN widerstehen, das entspricht rund 36 Tonnen.“

Der Motor des Audi RS5 DTM 2013

Audi RS5 DTM 2013

Klinisch sauberes Arbeitsumfeld

5,01 Meter lang ist der RS5 DTM, 1,95 Meter breit und 1,15 Meter flach. Der Radstand beträgt bei allen DTM-Fahrzeugen einheitlich 2.750 Millimeter. Angetrieben wird der RS5 DTM von einem rund 340 kW (460 PS) starken Audi-V8-Motor. Das Sechsgang-Getriebe wird pneumatisch über Schaltwippen am Lenkrad betätigt. Die gegenüber einer klassischen Handschaltung präziseren Schaltvorgänge ermöglichen eine deutliche Steigerung der Getriebe-Laufleistung auf bis zu 24.000 Kilometer.

Auf dem technisch neuesten Stand sind auch die Motorelektronik (Bosch MS 5.1), die ohne Sicherungen auskommt, und das bereits im GT3-Sportwagen Audi R8 LMS ultra verwendete zentrale Display. Die Reifen liefert Exklusivpartner Hankook.

Fahrwerk und Aerodynamik des Audi RS5 DTM 2013

Am Fahrwerk beschränken geometrisch nur der Motor-Hilfsrahmen vorn und das Getriebe im Heck als Einheits-Bauteile die Freiheiten der Ingenieure. Das Fahrwerk muss an diesen einheitlichen Elementen angelenkt werden. Zusätzlich sind für die Querlenker Rohrdimensionen und Stahl als Material vorgegeben. Weiterhin sind zahlreiche Dimensionen per Reglement definiert – zum Beispiel die der Felgen.

Audi RS5 DTM 2013 Heckfluegel geöffnet

Audi RS5 DTM 2013-Heckflügel im geöffneten Zustand

Eingeschränkt sind auch die Möglichkeiten bei der Aerodynamik. Eine Durchströmung der Karosserie wie beim A4 DTM und komplexe Zusatzflügel am Heck sind nicht mehr erlaubt. Der optische Bezug zum Serienmodell wurde dadurch deutlicher, gleichzeitig reagieren die neuen DTM-Fahrzeuge weniger sensibel auf Berührungen und liefern einen besseren Windschatten.

„Audi hatte in der Vergangenheit in der DTM besonders bei der Aerodynamik sehr erfolgreiche und innovative Lösungen“, so Dr. Martin Mühlmeier, Leiter Technik bei Audi Sport. „Jetzt geht es vor allem um gute Detaillösungen, um sich kleine Vorteile gegenüber der Konkurrenz zu erarbeiten.“

Audi RS5 DTM 2013 Cockpit

High-Tech-Arbeitsplatz: das Cockpit des Audi RS5 DTM

Mit der Homologation des Fahrzeugs auf dem Stand des letzten Rennens der Saison 2012 wurde der Spielraum für die Ingenieure noch kleiner. Eine Weiterentwicklung war nur sehr begrenzt möglich, Feintuning im Detail angesagt. So wurde zum Beispiel die Passgenauigkeit der Karosserieteile optimiert, um Fugen und Übergänge zu vermeiden, die den Cw-Wert verschlechtern würden.

Starke Partner

Mit Akrapovič hat ein langjähriger Partner von Audi Sport sein Engagement in diesem Jahr weiter ausgebaut. Das Unternehmen liefert seit 2009 die Auspuffanlagen für die Sportprototypen von Audi. Sechs der acht RS 5 DTM werden mit dem Schriftzug von Akrapovič an den Start gehen. „Nach unserer erfolgreichen Kooperation bei den Sportwagen war es eigentlich nur eine Frage der Zeit, wann wir auch in der DTM zusammenarbeiten“, sagt Geschäftsführer Uroš Rosa.

Farbe bringt erneut das Phoenix-Teamins Spiel: Mike Rockenfeller pilotiert erneut das Rennauto in den gelb-grünen Farben der Schaeffler-Gruppe mit ihren Marken INA, FAG und LUK.

Technische Daten de Audi RS5 DTM 2013

Chassis: CFK-Monocoque mit integriertem Tank, CFK-Crashelemente seitlich, CFK-Crashelemente vorn und hinten

Motor: V8-Saugmotor, 90 Grad Zylinderwinkel, 4 Ventile pro Zylinder, reglementbedingte Luftmengen-Begrenzung auf 2 x 28,0 mm
Motormanagement: Bosch MS 5.1
Motorschmierung: Trockensumpf
Hubraum: 4.000 ccm
Leistung: ca. 340 kW (460 PS)
Drehmoment: über 500 Nm

Kraftübertragung: Heckantrieb
Kupplung: 4-Scheiben-CFK-Kupplung
Getriebe: sequenzielles 6-Gang-Sportgetriebe
Differenzial: einstellbares Lamellen-Sperrdifferenzial
Antriebswellen: Gleichlauf-Gelenkwellen

Lenkung: servounterstützte Zahnstangen-Lenkung
Fahrwerk: Einzelradaufhängung vorn und hinten, Doppel-Querlenker-Aufhängung, Pushrod-System mit Feder/Dämpfer-Einheit, einstellbare Gasdruck-Stoßdämpfer
Bremsen: hydraulische Zweikreis-Bremsanlage, Monoblock-Bremssättel aus Leichtmetall, innenbelüftete Kohlefaser-Bremsscheiben vorn und hinten, Bremskraft-Verteilung zwischen vorn und hinten vom Fahrer stufenlos einstellbar, elektromagnetisches Startventil
Felgen: Schmiedefelgen aus Aluminium, vorn: 12 x 18 Zoll; hinten: 13 x 18 Zoll
Reifen: Hankook, vorn: 300-680-18; hinten: 320-710-18

Länge: 5.010 mm (inkl. Heckflügel)
Breite: 1.950 mm
Höhe: 1.150 mm
Mindestgewicht: 1.110 kg (inklusive Fahrer)
Tankinhalt: 120 l

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