VW Beetle Cabrio: Fahrbericht

Innerhalb von nicht einmal zehn Sekunden öffnet sich das Stoffverdeck und gibt den Blick frei auf den nicht ganz wolkenfreien Himmel Südfrankreichs. Wir sitzen im brandneuen VW Beetle Cabrio, das im Frühjahr 2013 auf Kundenfang gehen wird.

VW-Beetle-Cabrio-2013

Das von Webasto-Edscha entwickelte und produzierte Verdeck lässt sich bequem per Knopfdruck innerhalb von 9,5 Sekunden bis zu einer Fahrgeschwindigkeit von 50 km/h öffnen. Im Gegensatz zum Vorgängermodell, das mit einem Hydraulik-Antrieb ausgestattet war, wird die Verdeckbewegung des Beetle Cabrios über einen Elektro-Antrieb gesteuert, der sich kompakt in das Dachsystem einfügt. Verglichen mit herkömmlichen Hydraulik-Antrieben ergibt sich dadurch ein Gewichtsvorteil von über 20 Prozent. Ein weiterer Pluspunkt des Elektro-Antriebs: das Dach öffnet und schließt sich äußerst leise. Zusätzlich optimiert das dreilagige, vollgedämmte Akustikverdeck mit dreiteiligem Dichtungskonzept die akustischen Eigenschaften.

VW-Beetle-Cabrio-2013: Verdeck von Webasto-EdschaBeim Öffnen legt sich das Verdeck in konventioneller Faltung platzsparend und sehr flach hinter den Rücksitzen ab. Die beheizbare Heckscheibe aus Glas wurde so in das Cabriodach integriert, dass eine gute Rundumsicht gewährleistet ist. Offen wie geschlossen bietet der Viersitzer ein Kofferraumvolumen von 225 Litern und verfügt über eine Durchlademöglichkeit.

Das ausreichend geräumig geschnittene Cockpit unseres Testwagens mit “Sport”-Ausstattung wirkt elegant-sportlich. Das unten abgeflachte Sportlenkrad und das Armaturenbrett mit großzügiger Carbon-Optik verströmen sportiven Flair. Allein die in wenig wertigem Plastik eingefasste Konsole unterhalb des Touchscreen-Infotainmentsystems wirkt etwas farblos und passt nicht wirklich zum restlichen Ambiente zwischen Klavierlack- und Carbon-Optik. Was allerdings nicht wirklich ins Kontor schlägt, schließlich versteckt sich die Konsole etwas im Schatten des schicken Touchscreen-Monitors.

Wir manövrieren das Beetle Cabrio durch die engen Gassen Nizzas Richtung Hafen. Die Übersicht ist im geschlossenen Zustand cabriotypisch dabei maximal als durchschnittlich zu bezeichnen. Nach hinten beschränkt die kleine, flach abfallende Heckscheibe die Sicht, nach vorn ist das Sichtfeld durch die hohe Motorhaube limitiert. Bei engen Rangiermanövern ist also froh, wer den Einparkassistenz geordert hat. Im offenen Zustand hingegen ist das Sichtfeld nach hinten und zu den Seiten konzeptbedingt wieder sehr angenehm.

VW-Beetle-Cabrio-2013

Am Hafen angelangt, nutzen wir die Gelegenheit, uns das Design des neuen Beetle noch einmal genauer anzusehen. Während die Vorgänger-Generation des Beetle noch 100% Retro daher kam, wirkt die 2013-er Generation viel definierter und erinnert mit seiner neuen Dachlinie und seinen Scheinwerfern an die Ikone 911. Das vermeintliche Frauenauto also nunmehr ein Auto für echte Männer? Der aufgesetzt wirkende, da absolut überflüssige Laptimer, ein optionales Fender-Soundsystem und der augeschraubte Heckspoiler sollen diese Befürchtung/Vermutung (je nachdem) wohl unterstreichen. Als Cabrio jedoch ist und bleibt der Beetle ein Frauenauto (#schublade). Zumindest verdrehten sich deutlich mehr Frauen als Männer den Kopf nach dem VW-Cabrio. Vermutlich galten die Blicke aber auch einfach nur seinem Fahrer…

Also nichts wie weg und Richtung Alpenstraßen, um dem Fahrverhalten etwas näher auf den Zahn zu fühlen. Fazit: das Fahrwerk des Beetle arbeitet angenehm straff, dennoch mit relativ hohem Komfort. Auch schnelle Kurven mag das Beetle Cabrio ohne als Kurvenräuber durchzugehen. Dafür ist seine Lenkung aber auch nicht direkt genug.

VW-Beetle-Cabrio-2013

Bemerkenswert ist übrigens die Ausstattungsvielfalt für das VW Beetle Cabrio. Fünf verschiedene Ausstattungslinien sowie drei Sondermodelle stehen zur Wahl: zwischen Retro (Sondermodelle “50s Edition”, “60s Edition” und “70s Edition”) und der Ausstattungslinie “Sport” werden alle Geschmäcker abgedeckt. Ein Kofferraum-Aufsatz wäre noch eine interessante Variante, denn trotz des zum Teil auf dem Heck aufliegenden, zusammengefalteten Verdecks fällt der Kofferraum extrem klein aus.

Das Motorenangebot mit drei Benzinern (105 PS, 160 PS und 200 PS) und zwei Dieselaggregaten (105 PS und 140 PS) sollte sowohl für Cruiser als auch für sportlicher orientierte Käufer passen.

Am Flughafen Nizza angekommen, schüttle ich mir den Regen aus meiner Winterjacke. Als die Sonne die Wolkendecke durchbricht und die Cote d´Azur in goldenes Licht taucht, hebt unser Flieger ab.

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