Wie „Industrie 4.0“ die Automobilproduktion verändert

„Industrie 4.0“ ist auch auf der diesjährigen Hannover Messe eines der ganz großen Themen. Und auch im Automobilbereich hat das Thema – jetzt und in Zukunft – starken Einfluss auf Produktionsprozesse. An welchen neuen Lösungen Wirtschaft und Wissenschaft arbeiten und welche Auswirkungen die Digitalisierung auf die industrielle Arbeitswelt hat, zeigt die Fraunhofer-Gesellschaft auf der Hannover Messe.

Industrie 4.0 Automobilindustrie

Aktuelle Forschungsprojekte rund um die vernetzte und sichere Produktion stellte Fraunhofer-Präsident Prof. Reimund Neugebauer am Montag auf der Hannover Messe vor. Dabei standen vor allem Veränderungen in der Automobilproduktion im Mittelpunkt. »Innovationspartnerschaften zwischen Wirtschaft und Wissenschaft sind der beste Weg, die Chancen der Digitalisierung optimal zu nutzen«, sagte Neugebauer. »Die Zusammenarbeit mit der Automobilindustrie ist uns besonders wichtig. Was dort zum Einsatz kommt, ist oft wegweisend für andere Branchen.« Als ein Beispiel führte er das Projekt Presswerk 4.0 an. Dort unterstützt der effiziente Datenaustausch die Mitarbeitenden dabei, Fehler schneller zu erkennen und Stillstandzeiten zu halbieren. Kurzfristige Änderungen in der Produktion lassen sich flexibel umsetzen.

Zu Gast auf dem Pressegespräch war auch Wolfram Thomas von der Volkswagen AG, Leiter Produktion Konzern. Er sprach darüber, wie sein Unternehmen sich fit für die Digitalisierung macht. »Der Volkswagen Konzern setzt bei Industrie 4.0 auf das intelligente Zusammenspiel von menschlichen Stärken und maschinellen Fähigkeiten. Die Digitalisierung schafft die Voraussetzung für eine flexiblere Produktion, durch die wir Kundenwünsche individuell umsetzen können. Industrie 4.0 ist nicht nur die Chance, sondern beinhaltet auch die Notwendigkeit, die Zusammenarbeit mit unseren Partnern auf eine neue Ebene zu heben«, sagte Wolfram Thomas.

Die Sicht der Zulieferindustrie zeigte Prof. Peter Gutzmer, stellvertretender Vorstandsvorsitzender und Vorstand Technologie der Schaeffler AG, auf: »Die zunehmende Digitalisierung bietet für Schaeffler als integrierten Automobil- und Industriezulieferer eine große Chance, die wir mit unserem weltweiten Entwicklungsnetzwerk nutzen werden. Deutschland und Europa haben einen deutlichen Vorsprung in der industriellen Anwendungstechnik wie beispielsweise bei der Sensorik, in der Lehre mit der dualen Ausbildung und der Gemeinschaftsforschung mit Hochschulen und Industrie. Das sind hervorragende Voraussetzungen, um die erforderlichen Standards für Daten und Software-Microservices zu setzen. Für die weitere Umsetzung in digitale Geschäftsprozesse sind zudem neue Partnerschaften mit den globalen Unternehmen der IT-Community und Start-ups erforderlich«.

Sowohl Volkswagen als auch Schaeffler sind Partner von Fraunhofer in der gemeinsamen Initiative Industrial Data Space. Der sichere Datenraum ermöglicht den Austausch und die Verknüpfung von Produktionsdaten und Daten globaler Lieferketten auch über Unternehmensgrenzen hinweg.

Mit den Produktionsabläufen werden sich auch die Arbeitsplätze verändern. Doch der Mensch steht nach wie vor im Mittelpunkt. In den Büros ist die digitale Arbeitsweise schon weitgehend angekommen, nun hält sie auch Einzug in die Fabriken. Die Digitalisierung macht es zum Beispiel über Apps oder Virtual-Reality-Assistenz möglich, Mitarbeiter direkt am Arbeitsplatz weiter zu qualifizieren und bei ihren Tätigkeiten zu unterstützen. Zunehmend werden produzierende Unternehmen digital angereicherte Produkte, so genannte Cyber-Physical Systems entwickeln und nutzen. Zu den Herausforderungen der künftigen Arbeitswelt in der Industrie 4.0 erklärte Prof. Wilhelm Bauer, Institutsleiter am Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO: »Bei allen Vorteilen der Automatisierung ist wichtig, die Menschen für das digitale Arbeiten zu qualifizieren. Wir müssen Anwendungen menschengerecht gestalten, die Nutzer in Design und Entwicklung einbeziehen und eine sozioökonomische Forschung etablieren, die die Technik mit einbezieht.«

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